Die unsichtbaren Klimakosten faltbarer Smartphones

23. Oktober 2026


8 Min. Lesezeit


Jamie Richards

Das neue iPhone Duo ist der Grund, weshalb derzeit alle über faltbare Smartphones sprechen. Tatsache ist allerdings, dass diese komplexen, hochmodernen Geräte die Umwelt stärker belasten als ein durchschnittliches Smartphone. Der Autor Jamie Richards hat mit Branchenexperten über die hohen CO2-Emissionen gesprochen, die bei der Herstellung solcher Modelle anfallen.

Schon seit Jahren haben Branchenanalysten und eingefleischte Fans darüber spekuliert – nun hat Apple endlich sein erstes faltbares Smartphone vorgestellt: das iPhone Duo. Und natürlich sorgt das iPhone Duo schon jetzt für reichlich Gesprächsstoff, nicht zuletzt aufgrund aufsehenerregender Merkmale wie seinem Reisepass-Format und seiner speziellen iOs-Version (mit einzigartigen Animationen und einer App-Steuerung im Split-Screen-Modus) sowie seinem extrem hohen Einstiegspreis (1.999 £  bzw. 2.339 €), mit denen Apple der Tech-Welt jede Menge Futter für intensive Diskussionen und Debatten liefert.

Faltbare Smartphones gelten wegen ihrer komplexen Scharniermechanismen, flexiblen Innendisplays und leistungsstarken internen Komponenten als zukunftsweisende Geräte, die in der Regel den Spitzenplatz im Sortiment jedes Smartphone-Herstellers einnehmen. Doch diese Komplexität hat ihren Preis … und damit meine ich nicht nur, dass jeder, der sich das iPhone Duo zulegen möchte, extrem tief in die Tasche greifen muss. 

Faltbare Telefone bestehen aus wesentlich mehr Einzelteilen als herkömmliche Smartphones und verfügen zudem über eine wesentlich ausgefeiltere Technik. Außerdem sind sie dafür bekannt, dass sie aufgrund ihrer vergleichsweise empfindlichen, flexiblen Polymer-Displays schneller verschleißen. Theoretisch heißt das: Sie sind anfälliger für Defekte, müssen häufiger repariert werden und werden deshalb auch früher durch neue Geräte ersetzt als robustere Standard-Smartphones. Und obwohl sich Apple eigentlich dazu verpflichtet hat, bis zum Jahr 2030 zu 100 % klimaneutral zu werden, wurden die Klimakosten seines neuen faltbaren Modells im Rahmen der diesjährigen iPhone-Keynote mit keinem Wort erwähnt.

Die Fakten hinter den Klimaauswirkungen faltbarer Smartphones

Doch wie wirken sich faltbare Smartphones nun konkret auf die Umwelt aus? Die aussagekräftigsten Daten bezüglich der erhöhten CO2-Belastung, die von faltbaren Modellen im Vergleich zu herkömmlichen Smartphones ausgeht, liefern die Hersteller selbst: Sowohl Apple als auch Google haben in Bezug auf die neuesten iPhone- bzw. Pixel-Modelle sogenannte „Produkt-Umweltberichte“ veröffentlicht.

Laut den neuesten Umweltberichten von Apple verursacht die Herstellung des iPhone 18 Pro 46 kg CO₂-Äquivalent-Emissionen (CO₂e). Im Vergleich dazu entstehen bei der Herstellung eines iPhone Duo 63 Prozent mehr CO₂-Äquivalent-Emissionen, nämlich ganze 75 kg. Dem Bericht zufolge setzen sich die produktionsbedingten Emissionen des iPhone Duo aus 47 kg CO₂e-Stromemissionen und 27 kg CO₂e-Material- und Verarbeitungsemissionen zusammen. Da es sich beim iPhone Duo um ein physisch größeres sowie komplexeres Gerät handelt, sind für seine Herstellung mehr Materialien, mehr Bearbeitungsschritte und letztlich höhere CO₂-Emissionen erforderlich als bei seinem herkömmlichen Pendant. Bei Google fällt der Unterschied zwischen seinen neuesten Standard-Modellen und seinen faltbaren Geräten zwar geringer aus, doch auch hier ist er immer noch erheblich. Den jüngsten Berichten des Unternehmens zufolge verursacht die Produktion des Pixel 11 Pro 68 kg CO₂e, während die Fertigung des Pixel 11 Pro Fold 91,4 kg CO₂e verschlingt – ein Unterschied von 34 Prozent.

Faltbare Smartphones machen einen sehr geringen Anteil am gesamten Smartphone-Absatz aus. Laut der US-amerikanischen Preisvergleichswebsite SellCell wurden im Jahr 2025 insgesamt 1,85 Milliarden Smartphones verkauft, von denen laut dem Marktforschungsunternehmen Omdia lediglich 18,2 Millionen Geräte faltbare Smartphones waren. Demnach handelt es sich gerade einmal bei knapp 1 Prozent aller verkauften Smartphones und faltbare Modelle.

„Aus dem Blickwinkel der Reparierbarkeit sind sie eine äußerst schwierige Produktkategorie. Und aus diesem Grund bereiten mir diese Geräte auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit Sorgen..“ –Liz Chamberlain, Leiterin der Nachhaltigkeitsabteilung bei iFixit.

Omdia geht allerdings davon aus, dass die Verkaufszahlen für faltbare Smartphones – angetrieben durch großformatige Modelle wie das iPhone Duo und das Galaxy Z Fold 8 – bis 2028 auf 36 Millionen Geräte steigen werden. Dies könnte mehrere Millionen Tonnen zusätzlicher CO₂-Äquivalent-Emissionen zur Folge haben.

Reparatureinschränkungen

Natürlich beschränkt sich die Klimabilanz eines Smartphones nicht allein auf seine Herstellung – auch die Art und Weise, wie wir unsere Geräte über ihre gesamte Lebensdauer hinweg nutzen, bestimmt mit, wie groß ihr ökologischer Fußabdruck letztendlich tatsächlich ausfällt.

Liz Chamberlain ist Leiterin der Nachhaltigkeitsabteilung bei iFixit. Sie erklärt mir, warum faltbare Smartphones mit Blick auf ihre langfristige Nutzung besondere Herausforderungen mit sich bringen: „Aus dem Blickwinkel der Reparierbarkeit sind sie eine äußerst schwierige Produktkategorie. Und aus diesem Grund bereiten mir diese Geräte auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit Sorgen. Selbst in vom Hersteller autorisierten Werkstätten könnte schnell das Fazit gezogen werden, dass ein Austausch einfacher ist als eine Reparatur.“

Das für seine Bewertungen der Reparaturfreundlichkeit bekannte Unternehmen iFixit hat bislang noch keinem faltbaren Smartphone jemals mehr als vier von zehn Punkten zugesprochen. Chamberlain erklärt mir, dass deren Reparatur vor allem deshalb so schwierig ist, weil der Zugang zum Gerät über den Klappbildschirm sehr aufwendig ist und die internen Komponenten beidseitig angeordnet sind: „Das flexible OLED-Display ist eine riesige, teure Komponente, die so am Gerät befestigt ist, dass Staub und Wasser ferngehalten werden. Dafür wird eine Menge Klebstoff benötigt. Beim Motorola Razr 2020 war zum Beispiel der Akku direkt auf den Bildschirm geklebt.“

Wie es scheint, machen also genau die Eigenschaften, die faltbare Telefone so begehrenswert machen, sie im Vergleich zu herkömmlichen Smartphones auch besonders anfällig. Und wie Chamberlain weiter ausführt, potenzieren alle Faktoren, die sich negativ auf eine längere Nutzungsdauer von Telefonen auswirken, gleichzeitig auch deren Klimaauswirkungen: „Wenn wir alle unsere Smartphones fünf statt vier Jahre lang nutzen würden, ließe sich die durch Smartphones verursachte Umweltbelastung um etwa 30 % verringern. Je häufiger ein Telefon gegen ein neues Modell ausgetauscht wird, desto größer ist die Umweltbelastung, die durch den Abbau dafür benötigter Rohstoffe und die Herstellung neuer Geräte entsteht.“

Materialien sind wichtig

Sobald wir unsere Geräte nicht mehr benötigen, neigen wir dazu, sie zu vergessen – doch die höheren Material- und CO₂-Kosten faltbarer Smartphones könnten selbst nach Ablauf ihrer Nutzungsdauer noch Folgen haben.

Scott Butler ist Geschäftsführer der britischen gemeinnützigen Organisation Material Focus, die Kampagnen zum Recycling von Technik und zur Materialerhaltung durchführt. Er erklärt mir, dass sich die Auswirkungen der Smartphone-Herstellung über den gesamten Planeten erstrecken: „Die ganzen Stoffe, die in unseren Mobiltelefonen stecken, sind genau dieselben Stoffe, die wir für die Entwicklung intelligenter und umweltfreundlicher Technologien benötigen. Sie aus dem Boden zu holen, hat viel Aufwand gekostet und zahlreiche soziale, ökologische sowie wirtschaftliche Auswirkungen nach sich gezogen.“

Butler fügt hinzu, dass die klimatischen Auswirkungen neuer Geräte sogar noch umfangreicher ausfallen können, weil sie seltene Elemente enthalten und so konstruiert sind, dass es schwieriger ist, diese Materialien zu recyceln. So steckt im Gehäuse des iPhone Duo zum Beispiel hochwertiges Titan der Güteklasse 5. „Mir ist kein einziges britisches Recyclingunternehmen für Elektrogeräte bekannt, das sich auf die Rückgewinnung von Titan aus Elektrogeräten spezialisiert hat“, sagt er. „Es werden Materialentscheidungen getroffen, ohne dabei deren späteres Recycling zu berücksichtigen.“

„Wir haben Untersuchungen zur Kupfernachfrage in Großbritannien bis zum Jahr 2030 durchgeführt – rund 30 % des Kupfers in Großbritannien schlummert ungenutzt in Kabeln und Fernbedienungen. Angesichts des Ausmaßes der technologischen Entwicklung summiert sich das insgesamt zu einer beträchtlichen Menge.“

Trotzdem ist Butler fest davon überzeugt, dass Recycling die bessere Lösung für ungenutzte Handys ist, als sie einfach zu entsorgen oder in einer Schublade im Schlafzimmer verschwinden zu lassen: „Man unterschätzt leicht die Anpassungsfähigkeit und die Innovationskraft dieser Recyclingunternehmen. Sie verstehen ihr Handwerk, und ich glaube, dass sie sich anpassen werden. Außerdem darf man nicht vergessen, dass der Markt für faltbare Geräte relativ klein ist.“

Verantwortungsbewusst auf Erneuerung setzen: Die Back-Market-Lösung

Wie erwähnt, machen faltbare Smartphones etwa ein Prozent des Smartphone-Absatzes aus – doch Liz Chamberlain von iFixit geht davon aus, dass das iPhone Duo dies ändern wird: „Was mich am iPhone Duo beunruhigt, sind weniger technische Aspekte als vielmehr die Tatsache, dass Menschen, die diese Produktkategorie bisher nicht auf dem Radar hatten, nun möglicherweise überlegen könnten: ‚Vielleicht möchte ich auch ein faltbares Smartphone haben.‘ Eine steigende Nachfrage würde den Markt grundlegend verändern.“

Wenn du ein faltbares Smartphone kaufen möchtest, kannst du deinen ökologischen Fußabdruck verringern, indem du dich für ein erneuertes Gerät entscheidest. Denn wie Allan Rifat, Senior Refurbishment Operations Manager bei Back Market, erläutert, sollten wir immer Folgendes bedenken: Je aufwendiger ein Smartphone in der Herstellung ist, desto größer ist der ökologische Nutzen, wenn wir ihm ein zweites Leben schenken. „Ein faltbares Smartphone ist genau die Art von Gerät, bei dem man besonders vorsichtig sein sollte, wenn man es ‚wie gesehen‘ von einem Fremden kauft“, mahnt Rifat dabei allerdings zur Vorsicht. „Back Market ist ein Marktplatz für professionelle Aufbereiter, die sich an unsere Qualitätscharta halten müssen […] Hier durchläuft jedes Gerät eine professionelle Qualitätsprüfung mit bis zu 100 Punkten, bevor es zum Verkauf angeboten wird*“.

„Die ganzen Stoffe, die in unseren Mobiltelefonen stecken, sind genau dieselben Stoffe, die wir für die Entwicklung intelligenter und umweltfreundlicher Technologien benötigen“.– Scott Butler, Geschäftsführer der britischen gemeinnützigen Organisation Material Focus

Premium-Geräte auf Back Market enthalten ausschließlich originale Herstellerteile und einen Original-Akku, der mindestens 90 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität hat, was laut Rifat besonders bei faltbaren Smartphones sehr sinnvoll ist.

„Diese originalen Herstellerteile sind das Herzstück des Geräts, da das Scharnier und der flexible Bildschirm für dessen Funktion von zentraler Bedeutung sind“, erklärt Rifat.

Rifat führt weiter aus, dass der innenliegende Bildschirm und das Scharnier faltbarer Smartphones aufgrund der mechanischen Beanspruchung „echte Verschleißstellen“ sind. Deshalb sollten sich Käufer vor dem Kauf stets umfassend über das angebotene Gerät informieren. „Überlege genau, welcher Zustand dir zusagt, schau dir den Akkuzustand an und vergewissere dich, dass dein Kauf durch eine echte Garantie abgesichert ist“, rät er. „Diese Tipps gelten immer, egal ob du bei uns kaufst oder woanders.“

Es ist unwahrscheinlich, dass die Verkaufszahlen faltbarer Smartphones auf absehbare Zeit die von herkömmlichen Smartphones überholen werden – doch der Apple-Effekt ist nicht zu leugnen, und es ist durchaus zu erwarten, dass diese hochmoderne, aber CO₂-intensive Bauform an Popularität gewinnen wird. Und während das iPhone Duo und andere Geräte dieser Produktkategorie Technikfans immer wieder mit neuen Funktionen und ihren faltbaren Bildschirmen begeistern, sind diese Modelle gleichzeitig auch ein Zeichen dafür, dass die Prioritäten der Tech-Konzerne offenbar auch weiterhin im Widerspruch mit dem Wohl unseres Planeten stehen.

Geschrieben von Jamie Richards

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