Wie Garfield-Telefone die französische Küste eroberten

19. Juni 2026


7 Min. Lesezeit


India van Spall

Globaler Marken-Editor

„Silly Little Plastic Cat“ ist ein neuer Dokumentarfilm über das kultigste Stück Plastik-Popkultur, das jemals an einem französischen Strand angespült wurde. Im Folgenden stellt uns Regisseur Zack Grant diese Back Market-Doku vor.

Seit den 1980er-Jahren werden an den Stränden der Bretagne immer wieder Fragmente von leuchtend orangefarbenen Garfield-Telefonen angespült. Sie stammen aus einem über Bord gegangenen Schiffscontainer. Was als seltsamer Zwischenfall auf See begann (mit niedlichen Merchandise-Artikeln der beliebtesten lasagneverschlingenden Zeichentrickkatze des 20. Jahrhunderts in der Hauptrolle), hat sich längst zu einer zeitlosen Geschichte über das Thema Umweltverschmutzung entwickelt.

Wie das Nachrichtenportal FranceInfo berichtet, wurden allein im Jahr 2018 mehr als 200 Teilstücke dieser Geräte auf der französischen Halbinsel angeschwemmt – alles Belege einer jahrzehntelangen Belastung der Meere und der Grund, weshalb viele Anwohner bis heute auf das Wasser blicken und damit rechnen, Garfield auf sich zudriften zu sehen. Dieses Vermächtnis steht im Mittelpunkt des 12-minütigen Dokumentarfilms „Silly Little Plastic Cat“, einer originellen Back Market-Eigenproduktion unter der Regie des New Yorker Filmemachers Zack Grant.

Silly Little Plastic Cat

Ein Back Market Film

Als führender Marktplatz für erneuerte Technik setzt sich Back Market dafür ein, bereits Vorhandenes möglichst nachhaltig zu nutzen. Die Produktion eines Films über Elektroschrott und die Reparatur alter Geräte (dazu später mehr) sind logische Konsequenzen dieser Mission. Schon seit vierzig Jahren lebt die Bevölkerung in der Bretagne mit den Auswirkungen dessen, was der Rest der Welt weggeworfen hat. Doch wie der Film zeigt, verschwindet Abfall nicht einfach – er verschwindet lediglich aus unserem Blickfeld.

Indem er das Unsichtbare sichtbar macht, lädt dieser Film die Zuschauer ein, darüber nachzudenken, was sie wegwerfen und wie sie das, was sie bereits besitzen, einer neuen Verwendung zuführen können. „Er führt uns anschaulich vor Augen, welchen Einfluss der Mensch auf die Umwelt hat, besonders an einem Ort wie der Bretagne, die einfach traumhaft schön ist“, erklärt Grant. „Er hat mich außerdem dazu gebracht, mich intensiver mit den Dingen zu beschäftigen, die ich tagtäglich benutze: mit der Frage, wo sie irgendwann einmal enden, und mit den Spuren, die sie hinterlassen.“

"Deshalb hoffe ich, dass der Film ein größeres Bewusstsein für die globale Konsumwirtschaft weckt, der wir alle angehören, für die Herkunft von Produkten, die Arbeitsleistung, die dahintersteckt, den damit verbundenen Warenverkehr und die Umweltverschmutzung, die untrennbar mit diesem Prozess einhergeht." - Zack Grant

Statt einen typischen Dokumentarfilm über Umweltfragen zu drehen, ging der 35-Jährige dieses Projekt eher wie eine investigative Reportage an und rückte dabei die Erfahrungen der Menschen in den Mittelpunkt. Das Ergebnis ist ein unkonventioneller Film, dessen Stil ein wenig an Wes Anderson erinnert.

Indem er französischen Einheimischen das Wort überlässt und so eine Geschichte erzählt, bei der der Mensch im Vordergrund steht, bezieht er die Zuschauer in eine umfassendere Debatte über Konsum, Verschwendung und die verborgenen Wegstrecken der Produkte ein, die wir alle kaufen. Kurz vor dem Filmstart Ende dieses Monats haben wir mit Grant über seine Reise in die Bretagne gesprochen, über Momente, die ihm besonders in Erinnerung geblieben sind, und darüber, wie er seine Konsumgewohnheiten zum Positiven verändert hat.

Wie kam „Silly Little Plastic Cat“ zustande und warum wolltest du daran mitwirken, diese Geschichte zu erzählen?

Ich erinnere mich, dass ich [im Jahr 2019] eine Schlagzeile las [über Garfield-Telefone, die an den Stränden der Bretagne angespült wurden] und mir dachte: „Oh, das ist ja verrückt!“ Abgesehen von einigen wenigen französischen Medien, die über die Geschichte und die Initiative zur Suche nach dem Container berichteten, gab es meines Erachtens keinen eindeutigen Standpunkt dazu. Als wir dann mit der Arbeit begannen, war es uns daher besonders wichtig, herauszufinden, wie sich die Situation heute darstellt. Der Film sollte mehr sein als nur eine Rückschau auf alles, was bis dahin geschehen war. Im Laufe der Recherche wurde mir klar, dass Garfield letztendlich nur ein Symptom eines wesentlich größeren Problems ist und zugleich dazu beiträgt, das kulturelle Lebensgefühl der Menschen in der Bretagne in den Fokus zu rücken. Nachhaltigkeit ist auf eine Weise in ihrem Leben verankert, die ich als Amerikaner für einzigartig halte und die mich sehr beeindruckt hat.

Vom Storyboard bis zum Dreh – wie viel Zeit hat der gesamte Prozess in Anspruch genommen? Nun, wir haben im Oktober 2023 mit der Arbeit begonnen und im Jahr 2025 erhielten wir die finale Freigabe; insgesamt hat sich der Prozess also über mehr als zwei Jahre erstreckt. Ich glaube fest daran, dass Filme dann gemacht werden, wenn das Universum möchte, dass sie gemacht werden.

Welcher Moment deiner Reise in die Bretagne ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Ich glaube, das war der Blick in Gilberts Garage. Gilbert ist ein lokaler Sammler von Garfield-Telefonen, und wenn man ihn besucht, bekommt man einen Eindruck von der schieren Menge an Dingen, die er über die Jahre hinweg zusammengetragen hat. Man bekommt wirklich vor Augen geführt, welchen Einfluss der Mensch auf die Umwelt hat, besonders an einem Ort wie der Bretagne, die einfach traumhaft schön ist. Dieses Erlebnis hat mich außerdem dazu gebracht, mich intensiver mit den Dingen zu beschäftigen, die ich tagtäglich benutze: Einweg-Produkte, bei denen ich nun überlege, wo sie irgendwann einmal enden und welche Spuren sie hinterlassen werden. Als einzelner Verbraucher stellt man sich immer wieder die existenzielle Frage: Wie viel kann ich tatsächlich bewegen? Bisweilen war ich sicherlich skeptisch, was ich als Individuum ausrichten kann. Doch nach dieser Erfahrung und nachdem ich gesehen habe, wie selbstverständlich eine nachhaltige Lebensweise für die Menschen in der Bretagne ist, bin ich mit neuem Elan zurückgekehrt. Mir ist bewusst geworden, dass Dinge recycelt, wiederverwendet, verschenkt, umgewandelt oder repariert werden können. Außerdem blicke ich inzwischen wesentlich kritischer auf meinen eigenen Plastikverbrauch.

Was hoffst du, dass die Zuschauer aus diesem Film mitnehmen?

Ich hoffe, dass die Menschen sich mehr Gedanken darüber machen, wo ihre Sachen herkommen. Das ist für mich wahrscheinlich der wichtigste Denkanstoß. Die Tatsache, dass ein Containerschiff (vermutlich aus Asien) einen Unfall hatte, der dazu führte, dass diese Garfield-Telefone seit vierzig Jahren an den Stränden der bretonischen Küste angespült werden, ist bemerkenswert. Ich glaube nicht, dass irgendjemand, der diese Apparate in Großbritannien oder Europa gekauft hat – wohin die Lieferung unterwegs war –, jemals darüber nachgedacht hat, welchen Weg diese Produkte zurückgelegt haben, um zu ihm zu gelangen.

Dieses System scheint sich heute immer mehr zu beschleunigen. Du kannst mit nur ein paar Klicks etwas online bestellen und es schon am nächsten Tag zu dir nach Hause liefern lassen. Doch nur sehr wenige Menschen halten inne, um sich zu fragen, was für eine Reise das Produkt bis dorthin dann hinter sich hat. Deshalb hoffe ich, dass der Film ein größeres Bewusstsein für die globale Konsumwirtschaft weckt, der wir alle angehören, für die Herkunft von Produkten, die Arbeitsleistung, die dahintersteckt, den damit verbundenen Warenverkehr und die Umweltverschmutzung, die untrennbar mit diesem Prozess einhergeht.

Hat irgendetwas an den Menschen, die du in der Bretagne getroffen hast, deine Vorstellungen von Nachhaltigkeit infrage gestellt?

Die Menschen in der Bretagne treiben diese Philosophie in gewisser Weise auf die Spitze. Sie achten sehr sorgfältig darauf, nichts zu kaufen, was sie nicht unbedingt benötigen. Das ist bewundernswert und ziemlich einzigartig. Es ist vielleicht nicht realistisch, dass alle Menschen genau so leben. Aber ich glaube, es lohnt sich, sich einen Moment Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken, was wir kaufen, was wir besitzen, was wir wirklich brauchen und was wir reparieren können, um die Lebensdauer zu verlängern, anstatt es einfach zu ersetzen.

Das sind Überlegungen, die ich auch in meinem eigenen Leben anstelle. Ich hätte mir schon längst ein neues Smartphone zulegen sollen, aber ich zögere den Kauf noch so lange wie möglich hinaus. Ich brauche nicht das neueste Modell, ich brauche lediglich ein Gerät mit einem funktionierenden Akku. Das sind die Gedanken, die mir mittlerweile durch den Kopf gehen, und ich glaube nicht, dass es zu viel verlangt ist, wenn auch andere in ihrem eigenen Leben darüber nachdenken. Unser Film sollte nicht einfach nur eine deprimierende Geschichte darüber sein, wie kaputt die Welt ist. Er sollte den Menschen die Gewissheit vermitteln, dass es Lösungen gibt.

Anlässlich des Filmstarts haben wir mit mehreren eingefleischten Garfield-Fans über ihre Eindrücke zu „Silly Little Plastic Cat“ gesprochen.

  • Nelson, 29, Brüssel

    "Der Schnitt und der Soundtrack sind einfach großartig! Auch der Ansatz, von einer lokalen Geschichte zu einem global relevanten Thema überzuleiten, ist wirklich einzigartig und fesselnd. Man merkt, dass die Menschen, die für den Film interviewt wurden, für diese Geschichte brennen und die darin aufgeworfenen Fragen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Mir gefällt, dass der Film nicht allzu pessimistisch ist, sondern zeigt, wie die Einheimischen dieses Ereignis im Laufe der Jahre in ihr Leben integriert haben."

  • Avé, 19, New Jersey

    "Obwohl ich 2007 geboren wurde, also mehrere Jahrzehnte nach Garfields Entstehung, fand ich ihn sofort sympathisch. Zu sehen, wie eine Figur bis heute Menschen verschiedener Generationen miteinander verbindet, ist etwas ganz Besonderes. Dieser Film hat mich nostalgisch gestimmt, aber auch zum Nachdenken angeregt. Besonders beeindruckt hat mich die Szene, in der die Telefone als eine Art Schatzsuche für Kinder aus der Gegend beschrieben wurden. Diese Aussage konnte ich unheimlich gut nachempfinden. Denn wenn ich in einem Secondhand-Laden einen alten Garfield-Artikel aufstöbere, fühlt sich das für mich auch heute noch so an, als hätte ich einen verborgenen Schatz entdeckt."

Geschrieben von India van SpallGlobaler Marken-Editor

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