Ein Blick in eine der größten Elektroschrott-Deponien der Welt

2. März 2026


7 Min. Lesezeit


Nina Quellier

Globaler Leiter für Markenaktivismus

Der neue Dokumentarfilm von Back Market führt mitten hinein in eine Elektroschrott-Deponie in Kenia und macht sichtbar, was mit unseren Geräten passiert, wenn sie woanders zum Problem werden. Sieh dir den Film unten an und lies, wie Nina Quellier, Head of Brand Activism, die Dreharbeiten erlebt hat.

Der neue Dokumentarfilm von Back Market führt mitten hinein in eine Elektroschrott-Deponie in Kenia und macht sichtbar, was mit unseren Geräten passiert, wenn sie woanders zum Problem werden. Sieh dir den Film unten an und lies, wie Nina Quellier, Head of Brand Activism, die Dreharbeiten erlebt hat.

Im März 2025 reiste ein Team von Back Market nach Dandora, einem Stadtteil von Nairobi, in dem sich eine der größten offenen Elektroschrott-Deponien Afrikas befindet, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Daraus entstand der Dokumentarfilm „Dandora: A Fast Tech Story“ (siehe oben), der diese Woche beim Mobile World Congress in Barcelona Premiere feierte. Um jedoch zu verstehen, wie eine solche Deponie entstehen konnte, ist es wichtig, zunächst einen Blick auf das Leben im Bezirk Dandora zu werfen.

Als wir die Elektroschrott-Deponie erreichten, erfüllte dichter Rauch brennender Kabel die Luft. Überall sah man geschmolzenen Kunststoff und schwarze Asche auf dem Boden. In diesem Umfeld verbringen die Arbeiter:innen tagtäglich ihre Zeit – ohne Masken, ohne Schutzkleidung, ohne Stiefel. Viele sind Kinder und Frauen. Die Deponie in Dandora nimmt täglich rund 850 Tonnen gemischten Abfall auf. Elektroschrott macht davon nur einen Teil aus, ist jedoch dank Leiterplatten, Batterien oder Kupferkabeln der mit Abstand wertvollste. Tausende Menschen, die hier inoffiziell arbeiten, suchen nach allem, was sich verkaufen lässt. Sie arbeiten ohne Schutz und verbrennen die Kabel unter freiem Himmel. In Dandora sahen wir keine Berge ausrangierter Smartphones oder Laptops. Elektroschrott bleibt nicht liegen, denn er hat einen Wert. Er wird sofort eingesammelt, zerlegt und schließlich verbrannt, um an die Rohstoffe zu gelangen.

"Der neue Dokumentarfilm von Back Market entstand auf einem elektronischen Gerät in Kenia und war noch nicht verfügbar, aber wir hatten keine Probleme damit. „Sieh dir den Film unten an und lies“, wite Nina Quellier, Head of Brand Activism, „die Dreharbeiten erlebt hat.“ "

Die Elektroschrottdeponie Dandora.

Zurück bleiben die giftigen Rückstände dieses wilden Recyclings. Elektroschrott ist giftig, wenn er nicht fachgerecht verarbeitet wird. So enthält ein Smartphone mehr als 70 verschiedene Rohstoffe, darunter Blei, Quecksilber, Cadmium und Flammschutzmittel. Werden diese Materialien durch Verbrennen oder manuelles Zerlegen ohne Schutzmaßnahmen freigesetzt, gelangen gefährliche Schadstoffe in Luft, Boden und Wasser. Die Menschen vor Ort atmen all das ein. Sie riskieren ihre Gesundheit – oft alles –, um überhaupt genug Geld zum Leben zu verdienen.

Das Problem ist das System

Kenia produziert derzeit rund 88.000 Tonnen Elektroschrott pro Jahr, verfügt jedoch nicht über offizielle Strukturen, um diese Menge zu bewältigen. Die Geräte kommen häufig aus dem Ausland, deklariert als „gebrauchte Elektronik“ oder „Spenden“. Technisch gesehen handelt es sich dabei nicht um Abfall, allerdings sind viele Geräte kurz vor dem Ende ihres Lebenszyklus. Wir leben in einer „Fast-Tech“-Welt, einem System, das auf Überproduktion und Überkonsum basiert und in dem es normal ist, perfekt funktionierende Geräte bereits nach zwei Jahren wegzuwerfen. Jedes Upgrade an sich betrachtet wirkt harmlos. Dabei entsteht jedes Mal Elektroschrott, der alles andere als gewöhnlicher Abfall ist. Denn wird er unsachgemäß entsorgt, entstehen unkontrolliert Giftstoffe und die gefährden den Planeten sowie all jene, die ihn ohne Schutz verarbeiten. Besonders hier, auf der Deponie in Dandora.

Mit 62 Millionen Tonnen fiel im Jahr 2022 weltweit so viel Elektroschrott an wie nie zuvor – ein Anstieg um 82 % seit 2010. Nur 22,3 % davon werden offiziell und unter sicheren Bedingungen recycelt. Der Rest wird unsachgemäß entsorgt, oft in Ländern wie Kenia, denen die nötige Infrastruktur für eine sichere Verarbeitung fehlt. Unser Kurzfilm „Dandora: A Fast Tech Story” macht deshalb die tatsächlichen Kosten dieses ständigen Upgrade-Zyklus sichtbar. Und wir zeigen euch, wie dieser schädliche Kreislauf funktioniert.

Es war ein häufiges Bild, dass elektrische Bauteile im Freien brannten.

Eine Gefahr für die Gesundheit

In Kenia werden weniger als ein Prozent des Elektroschrotts legal recycelt, weltweit sind es 22,3 Prozent. Die Schattenwirtschaft ist hier das dominierende System: Lokale Reparaturbetriebe, Straßensammler:innen und Ersatzteilhändler:innen betreiben eine inoffizielle Kreislaufwirtschaft, in der Geräte gesammelt, zerlegt, repariert und weiterverkauft werden. Geht man über die Märkte Nairobis, stellt man fest, dass gebrauchte Elektronik aus westlichen Ländern gezielt nachgefragt wird. Was wir als „Abfall“ abtun, gilt hier als wertvolle Ressource.

Und tatsächlich verfügen diese Arbeiter:innen über das nötige Know-how, um Geräte länger im Umlauf zu halten. Doch was wirtschaftlich eine Chance ist, gefährdet die Gesundheit, wenn giftige Geräte bei den Verletzlichsten landen – oft ohne Schutz und ohne Wissen über die langfristigen Risiken. Hinzu kommt die massive Luftverschmutzung, die beim wilden Recyceln entsteht.

"Die Systeme, die die Existenz von Orten wie der Mülldeponie von Dandora ermöglichen – Überproduktion, illegaler Handel, der als humanitäre Hilfe getarnt ist, Kultur des unnötigen Verbesserns – beunruhigen uns alle."

Ein Smartphone enthält mehr als 70 Rohstoffe, darunter kritische und seltene Metalle. Daher stellt sich die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, das Gerät alle zwei Jahre zu ersetzen. Das Problem des Elektroschrotts lässt sich nicht allein durch besseres Recycling lösen. Der Schlüssel liegt vielmehr darin, Technologie anders zu gestalten und bewusster zu nutzen. Das bedeutet auch, die Risiken für diejenigen mitzudenken, die am Ende mit unseren Altgeräten umgehen müssen, wenn wir uns dafür entscheiden, ein neues Gerät zu kaufen, obwohl das alte noch funktionsfähig ist.

Rauch steigt von der Verbrennung von Elektronikschrott in Dandora, Kenia, auf.

Für Veränderung kämpfen

Die Basler Konvention verbietet seit 1992 den Export gefährlicher Abfälle in Entwicklungsländer. In der Praxis wird dieses Verbot jedoch systematisch umgangen, indem Geräte fälschlicherweise als reparierbar oder wiederverwendbar deklariert werden. Während unseres Aufenthalts in Dandora trafen wir die NGO „Computers for Kids Kenya”, die gespendete Computer für Schulen entgegennimmt. Als deutlich wurde, wie viel veraltete Technik dabei zusammenkam, entwickelte die Organisation ein Sammelsystem, aus dem schließlich das WEEE Centre hervorging – heute Kenias wichtigste offizielle Recyclinganlage. Dieses Beispiel zeigt, dass es Menschen vor Ort gibt, die für Veränderung kämpfen.

Das reicht jedoch nicht aus. Benötigt wird ein tiefgreifender Wandel, der nur durch eine starke, globale „Right to Repair“-Bewegung erreicht werden kann. Wenn Geräte von Anfang an so gestaltet werden, dass sie reparierbar sind, und wenn Hersteller Ersatzteile, Werkzeuge und Anleitungen bereitstellen, entfalten sich die positiven Effekte dieses Ansatzes weltweit: Geräte bleiben länger im Umlauf, auch über Ländergrenzen hinweg. Informelle Reparaturbetriebe erhalten Zugang zu Know-how und Ressourcen, die ihnen bislang fehlen. Gleichzeitig stärken formalisierte Reparatur-Netzwerke lokale Wirtschaftskreisläufe, während das schädliche, unregulierte Recycling zurückgeht, da Geräte instand gesetzt statt unter freiem Himmel verbrannt werden.

"Die Arbeiter auf der Mülldeponie von Dandora haben uns Widerstandsfähigkeit und Einfallsreichtum bewiesen und ein tiefes Verständnis dafür gezeigt, dass das Leben eines Geräts nicht vorbei ist, selbst wenn wir es nicht mehr benötigen."

Unerwünschte westliche Elektronikgeräte bieten kenianischen Arbeitern neue Möglichkeiten.

Kenia hat kürzlich ein Gesetz zur erweiterten Herstellerverantwortung verabschiedet. Dieses verpflichtet Unternehmen, die Verantwortung für das Lebensende ihrer Produkte zu übernehmen. Organisationen wie das WEEE Centre bilden dabei eine Brücke zwischen formellem und informellem Sektor, beispielsweise durch Schulungsprogramme und die Bereitstellung von Schutzausrüstung. Reparatur und Wiederverwendung sind somit nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche und soziale Lösungen, die den Zugang zu Technologie verbessern und langfristige Perspektiven schaffen. Dort, wo die öffentliche Infrastruktur fehlt, eröffnen sie Wege zu wirtschaftlicher Stabilität und menschenwürdigen Lebensbedingungen.

Wir brauchen Geräte, die lange halten

Unser Dokumentarfilm feierte Premiere auf dem Mobile World Congress in Barcelona, ​​der jährlichen Feier von „immer neuer, immer besser“ und ständigen Upgrades. Aber diese Kultur ist nicht mehr nachhaltig. Innovation muss in Zukunft auf Langlebigkeit setzen. Wenn Hersteller ihre Produkte von Anfang an auf Haltbarkeit und Reparierbarkeit auslegen und Konsument:innen Reparaturen dem Neukauf vorziehen, hat das Auswirkungen, die weit über unsere eigenen vier Wände und Landesgrenzen hinausreichen. Fortschritte beim Recht auf Reparatur in den USA und Europa haben globale Folgen: Es gibt weniger giftige Mülldeponien, Technologie ist in aufstrebenden Volkswirtschaften besser zugänglich, es entstehen Arbeitsplätze im Reparaturbereich statt gefährlicher illegaler Recyclingverfahren und wertvolle Rohstoffe können sicher zurückgewonnen werden.

Typische Ansicht der Mülldeponie Dandora.

Bei Back Market heißt das „Slow Tech“. Innovation wird nicht daran gemessen, wie schnell wir Geräte ersetzen, sondern wie lange wir sie nutzen können. Die Arbeiter:innen auf der Deponie in Dandora haben uns außerdem etwas gezeigt, mit dem wir nicht gerechnet haben: ihre Resilienz, ihre Kreativität und ihr tiefes Verständnis dafür, dass ein Gerät nicht am Ende seines Lebenszyklus ist, nur weil wir es nicht mehr haben wollen. Vor dieser Fähigkeit, sich trotz aussichtsloser Bedingungen zu behaupten, konnten wir nur den Hut ziehen.

Natürlich landet nicht jedes ausrangierte Smartphone auf der Deponie in Dandora. Doch der Mechanismus, der Orte wie diesen überhaupt erst ermöglicht – Überproduktion, geplantes Veralten, illegaler Handel unter dem Deckmantel von Hilfsmaßnahmen und eine Kultur, die das Upgrade feiert –, betrifft uns alle. Wir hoffen, dass unser Dokumentarfilm zeigt, dass sich dieses System verändern lässt. Und dass es sich verändern muss.

Vielen Dank an das WEEE Centre und alle Gemeinden in Kenia, die ihre Geschichten mit uns geteilt haben. Sie können „Dandora: Eine Geschichte rasanter Technologie“ hier ansehen.

Geschrieben von Nina QuellierGlobaler Leiter für Markenaktivismus

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